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Auswirkungen eines hohen Lebensstandards auf die Altersvorsorge – “Der private Zinseszins“

Die Grundlage für den persönlichen Lebensstandard, den Schuldenabbau und die Zukunft ist immer das Nettoeinkommen.

Das Nettoeinkommen zu ermitteln ist für Selbständige weitaus schwieriger als für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Denn für Selbständige gibt es keine monatliche, detaillierte Übersicht über ihr Nettoeinkommen.

Selbständige entnehmen Geld aus ihren Firmen, um ihren persönlichen Lebensstandard zu finanzieren, haben keine Arbeitslosenversicherung und zahlen höhere Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Darüber hinaus müssen (oder besser gesagt, »müssten«) sie für die alljährlich fällig werdenden Steuern aus dem Jahresgewinn, sowie zum Ausgleich krankheitsbedingter und anderer Gewinneinbußen, unterjährig entsprechende Rücklagen bilden.

Gesellschafter von Körperschaften können »im branchen-üblichen Rahmen« ihr (Netto-)Einkommen als Geschäftsführer mit sich vereinbaren. Allerdings ohne jede Sozialversicherungsberechtigung.

Um den Bedarf an Nettoeinkommen zu berechnen und den Überblick zu behalten, ist im Haushalt von Selbständigen auf jeden Fall eine regelmäßige Bestandsaufnahme über Ausgaben und Aufwand anzuraten (z.B. über eine Art private »Haushalts-Buchführung«).

Hier sind die bekanntesten Positionen:

  1. Lebensstandard
    • Lebensunterhalt
      • Ernährung, Kleidung, Kommunikation, Hygiene, Pflege etc.
      • Freizeit, Hobby, Kultur, Urlaub, etc.
      • Aus- und Weiterbildung
    • Risikoversicherungen (Muss)
      • Kranken- Pflegeversicherung etc.
      • Private Risikoversicherungen
    • Wohnen
      • Ausgaben für Miete (Strom, Gas, Wasser, etc.
      • Aufwand für Wohneigentum (Instandhaltung, Annuität [Zins und Tilgung])
      • Nebenkosten
    • Anschaffungen (z.B. KFZ [Mobilität], Mobiliar, Elektrogeräte …)
      • Kredit-, Leasingraten oder speziell für privat genutztes Firmenfahrzeug 1%-Regelung vom Fahrzeuglistenpreis
      • Sowie alle hiermit verbundene Betriebskosten, Instandhaltungskosten, Versicherungen, Steuern
  1. Sicherung des Lebensstandards
    • Absicherung von Finanzschäden/ Finanznachteile
      (alle KannRisikoversicherungen wie Wohngebäude, Elementarschaden, Öltank, Erwerbsunfähigkeit, Unfall …)
    • Absicherung der Zukunft
      zur Einkommensabsicherung (z.B. Investitionen in die Firma) und Altersabsicherung (Vermögensaufbau)
  2. Schuldenabbau
    • Alle Arten von privaten und gewerblichen Geld-Rückzahlungen an fremde Dritte, von denen man in der Vergangenheit unter bestimmten Bedingungen zur Rückzahlung Geld geliehen hat (z.B. Annuitätendarlehen…)


Beispiel »Absicherung der Zukunft« versus »Schuldenabbau«:

Wenn jemand im Alter von 30 Jahren vom Netto monatlich 1.500 € bis zum Alter von 65 zur Seite legt, gibt das ohne Zins 630.000 €

Dann muss jemand im Alter von 53 Jahren, der seine Schulden von 630.000 € bis zum Alter von 65 getilgt haben will, vom Netto monatlich 4.375 € aufwenden.

 

Die Grundlagen für Berechnungen zu den Zielen der Altersvorsorge von Selbständigen setzen sich aus der Zeit zum Aufbau und der Höhe der möglichen Rücklagen – deshalb beeinflussen die Ausgaben zum Lebensstandard (Denn was bleibt danach übrig?) die Ruhestandsbezüge –, dem Zinseszinseffekt sowie der Betrachtung von verwalterischen und steuerlichen Aspekten zusammen.

Beispiel frühzeitige Vorsorge:

Wenn ein 30-jähriger weniger Ausgaben für den Lebensstandard von 1.500 € hat, führt das bei jährlich 1% Zinsen zu einer monatlichen Rente von ca. 3.000 € ab dem  Alter von 65 Jahren

Dann muss ein 53-jähriger, um ab 65 eine monatlich Rente von 3.000 € zu bekommen, unter gleichen Bedingungen seinen Lebensstandard um 4.500 € senken!

Es liegt im Ermessen eines jeden Selbständigen sich auf seine Zukunft nach seinem Arbeitsleben insoweit vorzubereiten, dass genügend private Mittel für die Altersversorgung vorhanden sind und genutzt werden, oder die eigene Firma in der Lage ist, eine adäquate Firmenrente zu finanzieren. Um das zu finden, was persönlich am besten zu einem passt, müssen die Vor- und Nachteile einer Rente aus Ertrag oder einer Rente aus Kapitalabbau genau betrachtet und evaluiert werden.

Fazit: Je bewusster Ausgaben für den Lebensstandard gemacht werden, je früher Selbständige Rücklagen fürs Alter bilden und auch die Tilgung von Schulden im Fokus haben, desto mehr werden Selbständige eigenes Vermögen für das Leben nach der aktiven Arbeitszeit haben.

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